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 Zur Geschichte und zum Krieg

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BeitragThema: Zur Geschichte und zum Krieg   Sa Okt 20, 2007 4:31 pm

Die ostpreußische Frage

Nach Dmowski gab es nur zwei Lösungen der ostpreußischen Frage: Entweder müsse der deutschsprachige Teil mit Polen auf der Grundlage der Autonomie verei-nigt werden, oder er müsse eine unabhängige, mit Polen durch Zollunion verbundene Republik werden. Bei Schlesien bemüht er sich, die Tatsache, daß es seit 1335 zum deutschen Reich gehört, dadurch zu umgehen, daß er von böhmischer und preußi-scher Herrschaft spricht. Geschichtliche, politische und geographische Gründe zwei-felhafter Art halten her, um die Notwendigkeit des Anschlusses von Oberschlesien und drei Kreisen Mittelschlesiens an Polen zu begründen. Am meisten Raum widmet er dem oberschlesischen Kohlenbecken. So entstand eine mit Halbwahrheiten, Un-wahrheiten, Weglassung für Deutschland sprechender Tatsachen und antideutscher Tendenz angefüllte und an die Angst vor deutscher und russischer Expansion und die demokratischen Ideale appellierende Propagandaschrift, die unter Außerachtlassung der wissenschaftlichen Sachlichkeit nur dem Ziele eines neuen Großpolen diente.

Der Bericht der zweiten Subkommission machte zur deutsch-polnischen Grenzzie-hung folgende Vorschläge:
1. Abtretung der Schneidemühl-Region, trotzdem anerkannt wurde, daß sie haupt-sächlich von Deutschen bewohnt war.
2. Übergabe von Stadt und Hafen von Danzig an Polen.
3. Westpreußen fällt an Polen.
4. Hinsichtlich Ostpreußens wird für den Regierungsbezirk Allenstein eine Volks-abstimmung empfohlen. Im Nordosten bildet die Memel die Grenze. Außerdem soll Ostpreußen einer durch den Völkerbund garantierten Entmilitarisierung unterzogen werden.
5. Der Regierungbezirk Oppeln soll bis auf einen kleinen , an die Tschechen fallen-den Zipfel an Polen übergeben werden. Nach diesen Vorschlägen sollten, wie der Bericht selbst bemerkt, 2,2 Millionen Deutsche unter polnische und litauische Herr-schaft kommen. Damit widersprach er der von ihm selbst zugrunde gelegten Linie der ethnographischen Trennung.

Am 19. März wurde der Bericht dem "Rat der Zehn" vorgelegt. Nur Lloyd George widersprach, weil er fürchtete, die Deutschen könnten die Unterzeichnung des Ver-trages verweigern. Er kritisierte, daß die 2,2 Millionen Deutschen, die unter polni-sche Herrschaft kommen sollten, nicht weniger als die Bevölkerung von Elsaß-Lothringen im Jahre 1870 zählten, und fragte, warum, wenn man den Deutschen eine Verbindung quer durch polnisches Gebiet geben wolle, dies nicht analog für die Po-len durch deutsches Gebiet möglich sei. Weit wichtiger aber waren die allgemeinen Gedanken, die der Engländer an den Vertrag knüpfte. Er bemängelte, daß die andere Seite noch nicht gehört worden sei, und bezeichnete dies nicht nur als eine Frage der Fairneß, sondern auch als die eines dauernden europäischen Friedens. Der Vertrags-entwurf sei eine Abweichung von den "Vierzehn Punkten", die die Alliierten selbst angenommen hätten, und sprach die Warnung aus, daß die Übergabe der unzweifel-haft von Deutschen bewohnten Gebiete an Polen eine "Germania irredenta" schaffen würde, die den "Sitz des nächsten Krieges" bilden würden. Die Kommission blieb jedoch bei ihrem ursprünglichen Vorschlag.
Nachdem es in der französischen Presse über den Kommissionsbericht zu Indiskre-tionen gekommen war, trat bald an die Stelle des Rats der Zehn der aus Clemenceau, Wilson, Lloyd George und Orlando bestehende "Rat der Vier", und Anfang April gelang es dem Engländer trotz des Einspruchs der polnischen Delegation und des nach Paris gekommenen jetzigen Ministerpräsidenten Paderewski, einige der Be-stimmungen des Entwurfs zu mildern. Danzig sollte zu einer Freien Stadt unter dem Schutze des Völkerbundes gemacht werden. In den östlich der Weichsel gelegenen Kreisen Stuhm und Rosenberg und Teilen der Kreise Marienwerder und Marienburg sollten ebenso wie in Oberschlesien Volksabstimmungen stattfinden.

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