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 Kaliningrad 2010: Weit ist der Weg nach Königsberg

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BeitragThema: Kaliningrad 2010: Weit ist der Weg nach Königsberg   Do Jan 14, 2010 9:28 pm

Zitat :











Auf dem Schienenweg ist das alte Königsberg von Deutschland vorerst nicht mehr erreichbar. (Foto: Plath/.rufo)


Freitag, 08.01.2010

Kaliningrad 2010: Weit ist der Weg nach Königsberg

Kaliningrad. Eine Reise in Russlands Ostsee-Exklave war leichter geworden in den letzten Jahren. Es gab Direktflüge, eine tägliche Zugverbindung. Damit ist es nun vorbei, es müssen wieder Umwege in Kauf genommen werden.

Die Rominter Heide hat es Christina Tasch angetan. Schon zweimal verbrachte sie im Sommer ein paar Tage in dem legendären Urwald hundert Kilometer südöstlich von Kaliningrad – „eine einmalige Landschaft“ – und plante das in diesem Jahr wieder, doch diesmal gibt es ein Problem: die Anreise.

„Es fährt kein Zug nach Königsberg“, könnte sie in Anlehnung an einen alten Schlager singen, doch Frau Tasch steht eher der Sinn danach, eine Beschwerde an die polnische Bahn zu senden:














Bei Russland-Aktuell
• [url=http://www.aktuell.ru/kaliningrad/im_gebiet/kaliningrad_zugverbindung_nach_berlin_vor_dem_aus_172.html]Kaliningrad: Zugverbindung nach Berlin vor dem Aus? (25.11.2009)
„Königsberg-Express“ (25.11.2009)
Kaliningrad: Erstes Teilstück der Autobahn fertig (10.11.2009)
Endlich: Fährtouristen kommen 72 Stunden ohne Visum (12.05.2009)
Kaliningrader Airline KD Avia geht die Luft aus (27.11.2008)
[/url]
Dass die den Nachtzug Berlin-Warschau abgeschafft hat, an dem der tägliche Kurswagen nach Kaliningrad hing, hat ihr die Reisepläne vermasselt. „Mit großer Bestürzung“ habe sie von der Einstellung der Zugverbindung gelesen, schreibt sie in einem Brief an Russland- Aktuell.

Christina Tasch ist mit diesem Gefühl nicht allein. „Für den individuellen Königsberg-Tourismus ist die derzeitige Situation wirklich ein großer Rückschlag“, findet auch Natalja Romanowa.

Die ehemalige Kaliningraderin betreibt in Hamburg ein kleines Reisebüro, das sich auf russische Städtereisen spezialisiert hat, unter anderem in die einstige Hauptstadt Ostpreußens. „Das Interesse an dieser durch ihre Historie einzigartigen Stadt ist groß, wir haben eine gute Nachfrage und schon viele Stammkunden“, sagt Natalja Romanowa.

„Doch eine der ersten und wichtigsten Fragen ist immer die nach der An- und Abreise. Und da sehe ich zurzeit wirklich ernste Probleme. Was soll man seinen Kunden empfehlen? Es gibt da kaum noch etwas Planbares.“

Direktflüge bruchgelandet


Noch vor einem Jahr sah das anders aus. Da konnte der Reisende wählen, was ihm besser gefiel für die Tour nach Russisch-Ostpreußen: Sollte es schnell gehen oder gemütlich sein? Wer Zeit sparen wollte, setzte sich in den Flieger.











Die Airline KD Avia ist pleite, und Ersatz ist nicht in Sicht. (Foto: Plath/.rufo)


Die Kaliningrader Airline KD Avia hatte mehrmals wöchentlich Direktverbindungen von fünf deutschen Flughäfen im Angebot, für einen Ticketpreis von 100-150 Euro setzte man sich in Berlin, Hamburg, Hannover, Düsseldorf oder München in die Boeing und landete eine bis anderthalb Stunden später auf dem Kaliningrader Flughafen Chrabrowo.

Damit ist es seit Herbst 2009 vorbei. KD Avia ging pleite, ins Trudeln geraten nach Machtkämpfen zwischen Moskau, Petersburg und Kaliningrad, vollends bruchgelandet von einem offensichtlich ebenso inkompetenten wie geldgierigen Management, das freilich vor allem an die eigene Bereicherung dachte.

Zwar kündigte Russlands Transportminister Igor Lewitin nach dem Absturz von KD Avia umgehend die Gründung einer neuen regionalen Fluggesellschaft in der russischen Exklave an. Doch Konkretes ist nicht in Sicht.

Auch seitens der deutschen Lufthansa, angeblich an der Eröffnung einer Kaliningrad-Linie interessiert, wurden bisher nur „Gespräche“ bekannt. Und die polnische Airline LOT kündigte zwar die Wiederaufnahme der Flugverbindung Kaliningrad-Warschau (mit Anschluss an deutsche Flughäfen) an, doch bei der Ankündigung blieb es bislang.

Flugreisen derzeit nur mit Umweg


So bleibt den Flugreisenden bislang nur der Umweg über Riga. Die lettische Airbaltic (www.airbaltic.de) bedient Kaliningrad, allerdings führen diese Flüge von allen deutschen Airports zunächst nach Riga, die Metropole des Baltikums. Das kostet Zeit und ist auch sonst mit Ticketpreisen von 200-300 Euro nicht eben ein Billigflug.

Alternativ kann man von manchen deutschen Flughäfen auch mit SAS über Kopenhagen nach Palanga fliegen. Von dem kleinen litauischen Regionalflughafen (www.palanga-airport.lt) aus sind es allerdings noch einige Stunden bis Kaliningrad:

Zunächst muss man nach Klaipeda (Taxi, Bus) und von dort aus dann mit dem Linienbus über die Kurische Nehrung und Selenogradsk (Cranz) (der Bus fährt 2-3 mal am Tag) weiter in die russische Exklave.

Angesichts der miserablen Verkehrsverbindungen wirkt der Titel, den der Mitteldeutsche Rundfunk aus Leipzig seinem in Kürze startenden multimedialen Event zugedacht hat, beinahe schon wieder wie Zukunftsmusik.

„Kulturbrücke Kaliningrad“ ist der deutsch-russische Programmschwerpunkt des Senders für den Monat Januar überschrieben. Es gipfelt in einem festlichen Sinfoniekonzert am 23. Januar im Königsberger Dom, doch seine Musiker, die Reporter und wohl auch viele Gäste werden mit der Aeroflot via Moskau einfliegen müssen.

Ein Flug von Berlin nach Königsberg, bislang in knapp einer Stunde über die Bühne, ist wieder zu einer Tagesreise geworden.











Wieder auf dem Abstellgleis: Der tägliche Kurswagen Berlin-Kaliningrad. (Foto: Plath/.rufo)


“Königsberg-Express“ auf dem Abstellgleis


Und mit dem Zug geht es nun gar nicht mehr, jedenfalls nicht direkt. Die 1992 eröffnete Bahnverbindung war immer vom Wohlwollen der polnischen Partner abhängig und stand daher schon einmal, von 1999 bis 2003, auf dem Abstellgleis – den Polen war der Kurswagen nicht rentabel genug.

Nach dem erneuten Aus ist die Kaliningrader Filiale der Russischen Eisenbahngesellschaft RZD jetzt nach eigener Auskunft in Verhandlung über eine alternative Strecke, wobei alles auf einen Kurswagen auf der Nordroute über Stettin und Danzig hinausläuft.

Doch wann? Auch hier ein Fragezeichen. Zumindest für die bevorstehende Saison dürfte der bei deutschen Kaliningrad-Reisenden beliebte himmelblauweiß lackierte „Königsberg-Express“ ersatzlos aus dem Fahrplan gefallen sein.

Wer mit der Bahn anreisen will, kann das trotzdem tun, doch das Ganze gestaltet sich dann etwas mühsamer: Zunächst fährt man nach eigener Wahl beispielsweise von Berlin oder via Stettin nach Danzig, von dort im Regionalzug weiter über Elblag (Elbing) nach Braniewo (Braunsberg).

Von dort aus fahren zwei- bis dreimal am Tag Linienbusse nach Kaliningrad. Vorteil dieser umständlichen Anreise: Sie kostet zwar Zeit, aber wenig Geld. Bahnfahren ist in Polen immer noch vergleichsweise günstig.

Buslinie hält die Stellung


Die Alternative zur Bahn: Man fährt Bus. Eine Fernbusverbindung zwischen Kaliningrad und etlichen deutschen Städten (z.B. Berlin, Bremen, Hamburg, Leipzig, Stuttgart) gibt es nach wie vor, betrieben vom Reisedienst von Rahden und seinem Kaliningrader Partnerbüro Sputnik-Reisen.

Der Bus verkehrt allerdings nur noch ein bis zweimal die Woche, wer mitfahren will, muss sich vorher unbedingt telefonisch anmelden. (www.von-rahden.de)











Der Bremer Reisedienst von Rahden verbindet Kaliningrad mit vielen deutschen Städten. (Foto: Plath/.rufo)


Während der „große“ Bus nur in festgelegten Städten hält, bringen einige Kaliningrader Kleinbus-Unternehmen (Filand, Turne-Trans, Karaganda) den Reisenden auf Wunsch auch direkt nach Haus bzw. holen ihn dort ab.

Die Kosten schwanken entsprechend – je nachdem, wie weit die Fahrgäste in Deutschland von den großen Autobahn-Routen entfernt wohnen. Eine Fahrt von Kaliningrad nach Berlin kostet im Schnitt 60 Euro, für die eigentlich etwa gleichlange Tour in das vorpommersche Greifswald sind 100 Euro fällig.

Die Kleinbusse sind bequem, doch wer hier einsteigt, sollte robuste Nerven haben. Manche der russischen Fahrer legen die Verkehrsregeln ziemlich lax aus, vor allem Höchstgeschwindigkeit und Überholvorschriften.

Noch problematischer: Vor allem bei entfernten Reisezielen werden nicht selten die Lenkzeiten überschritten, mitunter beträchtlich. Mit einem übermüdeten Fahrer bei Tempo 140 auf der Autobahn unterwegs zu sein, muss man mögen.

Doch die meisten Kleinbusfirmen achten mittlerweile verstärkt auf Sicherheit – nicht zuletzt der strengen Verkehrskontrollen in Polen und Deutschland wegen. Wer also eine gewisse „dynamische“ Fahrweise in Kauf nimmt, ist vergleichsweise schnell am Ziel.

Auch an der russisch-polnischen Grenze geht es recht zügig: Die Fahrer haben da so ihre „Beziehungen“. Allerdings nehmen die Minibusse, in der Regel Mercedes Sprinter, nur 6-8 Leute mit, und meistens wird es dann auch ziemlich eng. Nicht jedermanns Sache.

Alternative: Seefahrt


Bliebe als letzte Reise-Alternative noch der Wasserweg. Bislang verkehrte einmal wöchentlich das Eisenbahn-Fährschiff „Vilnius“ zwischen Sassnitz-Mukran und der Marinehafenstadt Baltijsk (Pillau):

Donnerstagabend legt die Fähre in Mukran ab und war Freitagfrüh in Pillau, abends ging es retour. Seit Jahresanfang 2010 bis Ende März bedient die „Vilnius“ allerdings nur die Linie Sassnitz-Klaipeda. Fahrplan: www.dfdslisco.de.











Einmal pro Woche auf dem Seeweg nach Pillau. Die Eisenbahn-Fährschiff der DFDS Lisco. (Foto: Plath/.rufo)


Wer auf dem Schiff auf den Komfort einer Kabine verzichtet und mit dem Pullmansitz, einer Art Schlafsessel, Vorlieb nimmt, reist hier zudem unschlagbar billig: 40 Euro kostet die etwa 16stündige Passage über die Ostsee.

Abendbrot und Frühstück sind allerdings extra zu bezahlen. Die Seefahrt hat noch einen weiteren Vorteil: Grenz- und Zollkontrolle laufen in aller Regel stressfrei und ohne Wartezeiten ab.

Einen Nachteil hat die Fähre freilich auch, einen geografischen nämlich und den vor allem für jene, die in den südlichen oder westlichen Regionen Deutschlands wohnen: Von Sassnitz im Nordosten der Insel Rügen aus ist es noch einmal eine halbe bis ganze Tagesreise mit der Bahn bis Bayern oder Nordrhein-Westfalen.

Da lohnt sich eventuell, alternativ mit der Fähre von Kiel nach Klaipeda zu fahren (verkehrt sechsmal wöchentlich, www.dfdslisco.de). Von der litauischen Hafenstadt fährt ein Linienbus zwei- bis dreimal täglich über die Kurische Nehrung nach Kaliningrad.

Unterm Strich gibt es also noch einige Möglichkeiten, Russlands westlichste Region mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Für Reiseunternehmerin Natalja Romanowa ist der aktuelle Zustand trotzdem nicht befriedigend.
















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„Die Kunden möchten eine komfortable, sichere und günstige Reisemöglichkeit“, sagt sie. „Und typisch für die Deutschen ist, dass sie sie zeitig und sorgfältig planen. Durch den Zustand, wie wir ihn jetzt nach dem Wegfall der Direktflüge und des Zuges haben, sind viele verunsichert, und das ist auch gut zu verstehen.“


(tp/.rufo/Kaliningrad)

Deshalb muß man doch unsere lieben nachbarn die Polen lieben nicht war.?

gruß hanss
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