Der schwarze US-Olympiasieger Jesse Owens wurde in Hitler-Deutschland besser behandelt als in den Vereinigten Staaten.
(kreuz.net) Der deutsche
Reichskanzler Adolf Hitler († 1945) hat dem schwarzen Olympiasieger
Jesse Owens († 1980) im Jahr 1936 in Berlin die Hand geschüttelt.
Das erklärte Siegfried Mischner (83) – ein ehemaliger deutscher
Sportreporter – nach Angaben der britischen Tageszeitung ‘Telegraph’
vom letzten August.
Während der Berliner Olympischen Spiele behaupteten nicht-deutsche
Medien, daß Hitler nach Owens erstem Sieg empört aus dem Stadium
gestürzt sei.
Dagegen erzählt Mischner, daß Owens in seinem
Geldbeutel eine Photographie aufbewahrte, auf der zu sehen war, wie
Hitler ihm vor dem Verlassen des Stadions gratulierte.
Owens sei selber der Auffassung gewesen, daß die damaligen Zeitungen „unfair“ über Hitlers Haltung berichtet hatten.
Noch in den 60er Jahren habe der Olympiasieger Mischner und andere
Journalisten zu überzeugen versucht, daß die offizielle Version dieser
Geschichte geändert werden müsse.
„Er winkte mir, und ich winkte zurück“
Mischner erklärt, daß Hitler mit Owens hinter der Ehrentribüne
zusammentraf, was von der Weltpresse nicht beobachtet werden konnte:
„Aber ich habe es gesehen. Ich habe selber gesehen, wie er Hitlers Hand
schüttelte“ – erklärt Mischner.
Doch weil in Nachkriegs-Deutschland die Meinung
vorherrschte, daß Hitler Owens ignoriert habe, sei beschlossen worden,
nicht über das Photo zu berichten:
„Der Konsens war, daß Hitler in seiner Beziehung zu Owens weiterhin in einem schlechten Licht dargestellt werden sollte.“
Mischners Aussagen können nicht verifiziert werden, weil alle anderen Zeugen gestorben sind.
Owens selber hat Zeit seines Lebens darauf bestanden, daß Hitler ihn
nicht gemieden habe. Eine Begegnung und einen Handschlag mit dem Führer
hat er allerdings nie erwähnt.
So erklärte Owens: „Als ich an der Tribüne des
Kanzlers vorbeiging, stand er auf und winkte mir zu, und ich winkte
zurück. Ich glaube, daß die Autoren einen schlechten Geschmack
beweisen, wenn sie diesen Mann für diese Sache kritisieren.“
Die britische Tageszeitung ‘Daily Mail’ zitiert
Mischner mit den Worten: „Owens zeigte mir das Foto [mit Hitler] und
sagte: »Das war einer der schönsten Momente in meinem Leben«.“
Nach Angaben des ‘National Journal’ hatte das
Olympische Komitee dem Reichskanzler verboten gehabt, den Siegern
persönlich zu gratulieren – auch den deutschen.
Owens hat die Unterstellungen gegen Hitler – so die britische
Tageszeitung ‘Daily Mail’ – sein ganzes Leben lang scharf verurteilte.
Er war nach Angaben von Mischner auch darüber enttäuscht, daß niemand über das sein Photo mit Hitler berichtete.
Mischner: „Die Presse war damals sehr
untertänig. Niemand wollte das Monster Hitler in einem gutem Licht
erscheinen lassen. Alle meine Kollegen sind jetzt tot, Owens ist tot.
Ich dachte mir, das ist die letzte Chance, die Sache klarzustellen.“
Im Dienstboten-Aufzug zur Ehrung
In einem zweiten Artikel vom August 2009 berichtete ‘Daily Mail’, daß
der Olympiasieger zeitlebens beteuerte, in Hitler-Deutschland besser
behandelt worden zu sein als in den USA, wo Rassentrennung herrschte.
Owens hat sich auch immer gewehrt, zu einem politischen Symbol gemacht zu werden – erklärt ‘Daily Mail’:
„Er wuchs im Süden der Vereinigten Staaten während der Rassentrennung
auf, war der Enkel von Sklaven und wurde ungeduldig, wenn einen
moralische Überlegenheit der Amerikaner über die National-Sozialisten
behauptet wurde.“
‘Daily Mail’ zitiert Owens: „Nach all diesen
Geschichten über Hitler und die Brüskierung, kam ich in mein Heimatland
zurück und durfte nicht vorne im Bus sitzen.“
Oder: „Ich durfte nicht wohnen, wo ich wollte. Was also war der Unterschied?“
Nach seiner Rückkehr erhielt Owens eine
Konfetti-Parade in New York: „Doch als er im Hotel Waldorf Astoria für
einen Empfang zu seinen Ehren ankam, wurde er angewiesen, den
Dienstboten-Aufzug zu nehmen – nicht den Gästelift, der für Weiße
reserviert war“ – berichtet ‘Daily Mail’.
Präsident Franklin Roosevelt gratulierte Owens nie und lud ihn auch
nicht ins Weiße Haus ein: „Hitler hat mich nicht ignoriert – FDR hat
mich ignoriert“ – erklärte Owens später.
Owens Freund Luz Long
Owens Erinnerungen an Berlin unterschieden sich stark von der offiziellen Propaganda-Version.
Später erklärte er, daß sein größtes Erlebnis in Deutschland nicht die
Siege und Medaillen, sondern sein deutscher Gegner Luz Long († 1943)
war.
In den Vorausscheidungen im Weitsprung war Owens in Gefahr, das Finale
zu verpassen. Da stellte sich Long ihm vor und wies ihn darauf hin, daß
er immer zu früh absprang. Er empfahl ihm, den Fuß genauer zu setzen,
um die Qualifikation zu erreichen.
Owens folgte dem Rat und erreicht das Finale, in dem er gewann. Long war die erste Person, die ihm gratulierte:
„Es brauchte für ihn viel Mut, um mich vor Hitler als Freund zu behandeln“ – erklärte Owens später:
„Man kann alle Medaillen und Pokale die ich besitze einschmelzen: Sie
würden nicht einmal die Beschichtung auf der 24-Karat-Freundschaft
sein, die ich in diesem Augenblick für Luz Long empfand.“
Owens sollte Long nie wieder sehen. Dieser starb im Juli 1943 als Obergefreiter in Sizilien.
Owens erinnerte sich auch an eine Entscheidung
des US-Olympiateams, zwei XXX in der Stafetten-Mannschaft mit zwei
Schwarz-Amerikanern zu ersetzen – angeblich, um die Deutschen nicht zu
provozieren.
Rennen gegen Hunde und Pferde
Nach seiner Rückkehr in die USA wurde Owens von der ‘American Amateur
Athletics Union’ ausgeschlossen, weil er versuchte, aus seiner
Berühmtheit Kapital zu schlagen, statt für sein Land in einem Tournier
in Schweden den Star zu spielen.
Er verbrachte die nächsten Jahre als eine Art Zirkus-Artist, um seine Familie zu ernähren.
So veranstaltete er Rennen gegen Vertreter anderer Sportarten – sogar gegen Autos, Motorräder, Hunde und Pferde.
Dann arbeitete er als Pförtner auf einem Kinderspielplatz oder als Tankwart.
„Die Leute sagten, daß es für einen Olympiasieger entwürdigend war,
gegen Pferde anzutreten. Aber was hätte ich tun sollen“ – erklärte er:
„Ich besaß vier Goldmedaillen, aber man kann diese Dinger nicht essen.“
Als er nach seinen Siegen nach Hause kam, hätten ihn alle sehen und einladen wollen: „Aber niemand bot mir eine Arbeit an.“
Erst nach Jahren konnte er als öffentlicher Redner und Werbe-Fachmann eine gesicherte Stellung finden.
Owens starb im Jahr 1980 im Alter von 66 Jahren an Lungenkrebs.
Quelle: Kreuz.net 01.01.10
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