Kaliningrad: Wiederaufbau der Dominsel Kneiphof geplant
Kaliningrad. Der Wiederaufbau des Schlosses scheint beschlossene Sache, da nimmt bereits das nächste städtebauliche Retro-Projekt Konturen an: die Rekonstruktion der mittelalterlichen Dominsel Kneiphof.
Initiator des ambitionierten Plans ist das Kaliningrader Architekturbüro „Königsberg GmbH" des Russlanddeutschen Arthur Sanitz. Im Gegensatz zum ethnografischen Handelsviertel „Fischdorf", das in einem freien Stilmix Altkönigsberger Bauepochen lediglich „zitiert", strebt Sanitz auf dem Kneiphof die möglichst originalgetreue Wiederbebauung an - Haus für Haus.
Investoren für das Projekt gesucht
Ein weiter Weg, der ohne finanzstarke Investoren kaum gangbar sein wird. Die hofft Sanitz spätesten dann zu finden, wenn aus den Raummodellen und Skizzen ein anschauliches architektonisches Gesamtkonzept gewachsen ist. Und das nimmt bereits sehr konkrete Formen an.
Vier Monate lang hat die im feinen Kaliningrader Geschäftszentrum „Akropol" an der einstigen Ostmesse residierende Sanitz-Projektgruppe historische Fotos, Zeichnungen und Dokumente gesammelt und ausgewertet. Es entstand eine imposante Datenbank für praktisch jedes Haus, das einst auf der im August 1944 im britischen Bombenhagel zerstörten Pregelinsel unterhalb des Schlosses stand.
3D-Modelle der Altstadt schon fertig
Inzwischen sind aus den Daten auf den Computern der „Königsberg GmbH" erste Pläne entstanden, die auch dem Laien den hohen Anspruch des Vorhabens demonstrieren: bis ins Detail das historische Original nachbildende 3D-Modelle, die wiederum als Vorlage für die Bauzeichnungen der Rekonstruktion dienen sollen. Der östliche Teil des Kneiphofs bis heran an die einstige Schönberger Straße sei bereits fertig konzipiert, sagt Sanitz.
Kürzlich erfuhren die Kaliningrader, dass eine bislang noch unbekannte Zahl von Fotos des historischen Kneiphof aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Museum für Architektur in Moskau lagern soll. Die will man jetzt sichten. Vor allem aber ist Sanitz an jenen Material interessiert, das im Westen lagert. „Natürlich ist davon auszugehen, dass sich viele Abbildungen in Deutschland befinden, in Museen, Archiven und vielleicht auch privaten Sammlungen. Darum hoffen wir sehr auf Unterstützung bei der Suche und Auswertung dieser Dokumente."
Berliner Architekten sollen beim Aufbau mithelfen
Um internationale Kompetenz und denkmalpflegerischen Sachverstand mit einzubeziehen, hat die „Königsberg GmbH" bereits Verträge über fachliche Zusammenarbeit abgeschlossen - unter anderem mit dem renommierten Berliner Architekten und Königsberg-Experten Baldur Köster sowie mit polnischen Restauratoren, die am Wiederaufbau der Altstadt von Warschau beteiligt waren.
Arthur Sanitz schwebt darüber hinaus die Gründung eines Kuratoriums für das Kneiphof-Projekt vor, in dem russische und deutsche Wissenschaftler, Architekten, „namhafte Vertreter der Öffentlichkeit" und Institutionen von der Stadtgemeinschaft Königsberg bis zu interessierten Stiftungen zusammenfinden sollen.
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