Ostpreußen, östlichste Provinz Preußens
zwischen Weichsel und Memelstrom, mit dem östlichsten und nördlichsten Grenzpunkt des
Reichs, ist seit 1920 durch den "Korridor" vom Reich abgetrennt. Es grenzt mit 608.8 km an
Polen, mit 232.2 km an Litauen bzw. das unter lit. Oberhoheit gestellte Memelgebiet, hat 2 333 300
Einwohner auf rund
37 000 qkm und steht der Bevölkerungsdichte nach (63,1 E. je qkm) an drittletzter
Stelle vor Mecklenburg und der Grenzmark Posen-Westpreußen. Ostpreußen ist vorwiegend
Agrarland, aber keineswegs ein Land der Großagrarier, als das es vielfach gilt. Fast
die Hälfte aller Landwirtschaftsbetriebe war 1933 nicht größer als 5-20 ha; 56.9 von
Hundert aller Einwohner leben in Gemeinden unter 2000 Einwohner. Hochentwickelt ist
Ostpreußens Viehzucht, berühmt seine Pferdezucht (Trakehnen!). Mit 1254 Zuchthengsten
stand es Mai 1936 weitaus an erster Stelle im Reich vor Bayern mit nur 701 Hengsten.
Der durch Versailles geschaffenen wirtschaftlichen und politischen Sonderlage trägt der
Erich-Koch-Plan (maßvolle Industrialisierung, Steigerung der Bevölkerungsdichte usw.)
Rechnung.
Die Geschichte Ostpreußens ist unlöslich
mit der des Deutschen Ritterordens verknüpft, der ab 1230 das ursprünglich germanische
Land dem Deutschtum wiedergewann.
1525 wurde der Ordensstaat Herzogtum, 1618 dieses mit Kur-Brandenburg vereinigt. 1701
wurde das Herzogtum Preußen Königreich. Die lange Reihe verwüstender Kriege schloß
bisher der Weltkrieg (Schlacht bei Tannenberg, Winterschlacht in Masuren u. a. m.), der
35 Städte und 1500 Dörfer vernichtete. Versailles brachte schmerzliche Gebietsverluste
(Korridor, Danzig, Memel). Weitere verhinderte die Abstimmung von 1920, die in
Ostpreußen 97.5 v. H., in Westpreußen 93 v. H. deutscher Stimmen ergab. Der östliche
Rest der Provinz Westpreußen kam als Reg.-Bez. Westpreußen zu Ostpreußen.
Die
Landschaft ist im Stromgebiet von Memel und Pregel flach, sonst buntbewegt. Die Eiszeit
formte Höhen bis zu 313 m und hinterließ über 1200 Seen, die im Verein mit riesigen
Forsten (Johannisburger Heide, Rominter Heide, Rothebuder Forst) Landschaftsbilder von
bezwingender Schönheit bieten. Die meist 6-700jährigen Städte sind fast ausnahmslos
Gründungen des Ordens; in vielen blieben beachtliche Burg- und Dombauten erhalten. Die
Bevölkerung zählt zu ihren Ahnen alle deutschen Stämme, dazu Holländer, Franzosen,
Schweizer, Salzburger, die im Laufe der Jahrhunderte angesiedelt wurden. Weitaus am
schwächsten sind der polnische und litauische Einschlag. In den letzten Jahren ist
Ostpreußen als Reiseziel beliebt. Sondertarife der Reichsbahn und der "Seedienst
Ostpreußen" erleichtern wesentlich den Verkehr.
Stand: 1937
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"Gerechtigkeit ist dort, wo Recht ist!"